Brucknerhaus: Wunderbare Passion, Internationales Flair

Der viel gefragte, international tätige Countertenor Carlos Mena aus Spanien stand im Mittelpunkt der Mittwoch-Passion im Brucknerhaus. Seine virtuose Stimme vermittelte erzählend, lyrisch und dramatisch, aber immer mit viel Ausdruck geistliche Verse des Barocks.

Dazu das kleine Instrumentalensemble Bach Consort Wien, das sich dem Schaffen Bachs und dessen Zeitgenossen aus Nord und Süd für Kammermusik, Orchesterwerke und Kantaten verschrieben hat. Es besteht aus ausgepichten, stilsicheren Solisten, zugleich aus hervorragenden Kammermusikern, die mit dem Solisten "atmen" und eine erfreuliche klangliche Einheit ergeben.

Besonderer Eindruck
Die Bach-Kantate "Geist und Seele wird verwirret" (BWV 35) - vom Ensemble sinnvoll bearbeitet - ermöglichte einigen Instrumentalisten, solistisch hervorzutreten; besonderen Eindruck hinterließ die nobel und klangvoll gespielte Barockoboe (Emma Davislim). Vivaldis "Stabat Mater" enthält anrührende Betrachtungen über das Sterben Christi.

Starke Wirkung
Der Zuhörer wird gleichsam in das biblische Geschehen hineingezogen und das mit erstaunlich sparsamen, höchst einfallsreichen instrumentalen Mitteln. Endziel: vom Sänger und seiner plastischen Gestaltung nicht abzulenken und eine starke Wirkung zu sichern.

Verständlich, dass als Zugabe eine Arie aus der Bach-Kantate "Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" (BWV 170) folgte, wiederum ein Genuss.

Den rein instrumentalen Teil des Abends lieferten - klangvoll gespielt - insbesondere der fast vergessene Berliner Johann Gottlieb Janitsch (1708 - 1763) mit einem expressiven "Quadro" und Vivaldi mit zwei Sonaten "Al Santo Sepolcro", Betrachtungen über das Grab Christi. (fz)

Oberösterreichische Nachrichten vom 13.04.2006

» Fenster schliessen