Stilisiert und doch mit Gefühl

Zum letzten Mal erklangen in dieser Saison barocke Töne im Palais Eschenbach.

Mit drei Stunden voll schönem Originalklang verwöhnte Bach Consort Wien das Publikum beim saisonbedingten Ende seines Zyklus. Zudem wurde ein berühmter Gast präsentiert, die englische Sopranistin Emma Kirkby. Bachs mystische Kantate "Von der Vergnügsamkeit" begeisterte, sowie seine fröhliche C-Dur Orchestersuite Nr. 1. Trotz minimaler Besetzung wurde durch einen registerartigen Wechsel der Stimmenanzahl und deren Verteilung der Eindruck mehrerer miteinander konzertierender Orchester erweckt.

Eine emotionale sowie virtuose Steigerung des Konzertes gelang durch die Wahl der Stücke des zweiten Teils: Telemanns "Concerto in e-moll" lieferte ein viersätziges, brillantes Gefecht zwischen Blockflöte und Traversflöte. Die Vorliebe für das Extreme wurde deutlich, vor allem in den Tempi, aber auch im Ausdehnen der instrumentalen Eigen- und Besonderheiten. Auch mit fremden Gattungen liebäugelte man, wie im schnellen Schluss-Rondo, in dem folkloristische Klänge erzeugt wurden, einem Spielmannstanz mit bordunartigem Dudelsack gleich.

Den größten interpretatorischen Einsatz - wegen seines hohen Affektgehaltes - forderte Händels italienische Kantate "Delirio amoroso", die einen Liebestraum erzählt. In schwierigen musikrhetorischen Figuren und mit Hilfe starker Tonmalerei werden seelische Erregungszustände musikalisch dargestellt. Emma Kirkbys verspielte Stimme steigerte sich hier zu differenziertem Ausdruck und blieb trotz stilisierter Gefühlssprache dennoch immer natürlich und sensibel. ekr

Die Presse vom 4. Juli 2003

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