Hoher Besuch beim Bach Consort Wien

Von Rainer Elstner

Für die Neue Zürcher Zeitung ist sie "die Händel-Interpretin der letzten zwanzig Jahre schlechthin", die FAZ schreibt ihrer Stimme die Adjektive "schwerlos-luzide, himmlisch-hell, kernig und füllig" zu: Emma Kirkby. Die englische Primadonna der Alten Musik gibt am Mittwoch (2. Juli) eines ihrer höchst seltenen Wien-Konzerte. Das "Bach Consort Wien" hat sie als Höhepunkt seines Stadtinitiative-Zyklus ins Palais Eschenbach geladen.

Primadonna ohne Star-Allüren
Wenn Rubén Dubrovsky, Cellist des Bach Consort Wien, von Emma Kirkby spricht, blitzt ein begeistertes Leuchten aus seinen Augen: "Eine Menge Menschen hat auf Grund von Emmas Aufnahmen begonnen, sich mit Alter Musik zu beschäftigen." Auch bei ihm selbst sei das Erweckungs-Erlebnis eine Aufnahme der Madrigal-Bücher von Monteverdi mit Kirkby gewesen.
Sichtlich stolz ist Dubrovsky, dass er die Primadonna ohne Star-Allüren für das letzte Konzert des Stadtinitiative-Zyklus seines Bach-Consort gewinnen konnte.
Im lockeren Sommer-Outfit kam die Engländerin vom Flughafen zur ersten Probe mit den jungen Kollegen. Zu ihrer Beziehung zum Bach-Consort meint die Engländerin lachend: "Vielleicht sehen sie ja in mir so eine Art Mutter-Figur."

Monster Händel
Kirkby wird im Palais Eschenbach Kantaten von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach singen. "Das sind zwei ziemlich schwierige Stücke. Diesen Bach habe ich schon einmal gemacht, der Händel ist neu für mich - und er ist ein wahres Monster."
Überschwänglich und wunderschön sei dieses "deliro amoroso": "Es geht um eine tobende Frau, ihr Mann ist tot, sie flippt total aus, aber ihre Fantasie trägt sie über die Grenze des Todes hinweg, um ihn zu finden."

Das Wort im Mittelpunkt
Kirkbys wortdeutliche Bach-Interpretationen sind vielgerühmt, überraschend für eine englischsprachige Sängerin. "Tja, mein aktiver Wortschatz im Deutschen beschränkt sich darauf, Flugzeuge zu erreichen und Speisen zu bestellen. Aber ich kümmere mich darum, zu wissen, was ich singe. Und ich hatte sehr gute Unterweisungen, meist von Kollegen."

Bach Consort
"Es gibt in Wien eine neue Generation von Barockmusikern, die in internationalen Alte-Musik-Zentren studiert haben", erklärt Rubén Dubrovsky die Geschichte des Bach Consort Wien. "Wir haben einige dieser Musiker zu einem Ensemble vereint." Carlos Mena, Markus Schäfer und Bernard Fink waren die Solisten der ersten drei Abende des Stadtinitiative-Zyklus, der nun mit Emma Kirkby abgeschlossen wird.


ORF Kultur

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