Muttersprache Barock

von Rainer Elstner

Die jungen Musiker des Bach Consort Wien gehören einer neuen Generation von Originalklang-Musikern an, die nicht mehr gegen erstarrte Hörgewohnheiten für ihre Existenzberechtigung kämpfen müssen. Sie können aus einer großen Vielfalt an Alte-Musik-Stilen schöpfen: Die international ausgebildeten Mitglieder des Consort spielen in führenden Originalklang-Orchestern Europas.

Die Musiker um den argentinischen Cellisten Rubén Dubrovsky konnten bedeutende Sänger für einen vierteiligen Zyklus gewinnen, der von der Stadtinitiative Wien im Palais Eschenbach organisiert worden ist.

Den Anfang machte Carlos Mena. Der spanische Counter-Tenor gestaltete bei den letzten Salzburger Pfingstfestspielen die Titelrolle in Händels "Radamisto" mit großem Erfolg. Die "balsamischen Töne", die das deutsche Feuilleton aus Menas Mund hörte, erfreuten auch in der vergleichsweise trockenen Akustik des Palais Eschenbach. Mit größter Gefühlstiefe machte er Bachs abgeklärte Wehmut der Kantate "Ich habe genug" plausibel. Bei Händels Kantate "Mi palpita il cor" stürzte sich Mena bravourös in die virtuosen Koloraturen. Für einen Counter-Tenor auffallend ist Menas klanglich ausgewogene Stimme über alle Register.

Natürlich fließend, ohne gewollte Mätzchen und klanglich homogen wirkten die Interpretationen des Bach Consort. Bachs fünftes "Brandenburgisches Konzert" durfte man dank solistischer Besetzung neu kennen lernen. Besonders großen musikalischen Eindruck hinterließen der Cembalist Stefan Gottfried und die überirdisch spielende Oboistin Emma Davislim, die bereits zur Stammbesetzung des Klangforum Wien und der Wiener Akademie gehört.

Mit freudiger Spannung darf die weitere Zusammenarbeit des Bach Consort Wien mit Gesangs-Stars wie Bernarda Fink, Markus Schäfer und Emma Kirkby erwartet werden.

Wiener Zeitung vom 14. Februar 2003

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